Schutzkittel

Der Schutzkittel im Gesundheitswesen

Bei medizinischen Tätigkeiten werden oft Schutzkittel getragen, um in einem infektiösen Bereich die Verschleppung von Keimen zu verhindern oder mindestens zu minimieren. Eine derartige Schutzkleidung soll eine Kontamination des Patienten gering halten, aber auch Ärzte, das Pflegepersonal oder Besucher vor Infektionen bewahren.

Entsprechend seiner Funktion spricht man von einem OP Kittel oder einem Besucherkittel. Die Ausstattung ist dem Zweck entsprechend durchaus unterschiedlich. Aber auch in anderen Lebensbereichen finden Schutzkittel Verwendung. Als Einwegartikel schützen sie die persönliche Kleidung vor anhaftendem Schmutz, etwa in einigen Bereichen der Lebensmittelindustrie, im pharmazeutischen Bereich oder in Laboren.

Eigenschaften der Schutzkittel im medizinischen Bereich

Im Allgemeinen stellt man diese Schutzkleidung aus einem besonderen Polypropylen-Vliesstoff (PP) her. Dieses Material ist latexfrei und deshalb auch für Allergiker gut geeignet. Ein PE Kittel hingegen besteht aus Polyethylen. Im Unterschied zu den Einwegschürzen sind die Kittel mit langen Ärmeln ausgestattet. Somit ist nicht nur der Oberkörper geschützt, sondern auch die Arme des Trägers.

An den Handgelenken schließen die Ärmel meist mit dichten elastischen Bündchen ab. Damit vermeidet man weitestgehend, dass eine Flüssigkeit oder Spritzer eindringen und auf die Haut des Unterarms gelangen können. Der Vliesstoff gilt als atmungsaktiv und ist deshalb nicht feuchtigkeitsabweisend.

Wird ein feuchtigkeitsabweisender Kittel benötigt, empfiehlt sich eine Ausführung, bei der die Vorderseite mit PE (Polyethylen) beschichtet ist. Ein PE Kittel, der der europäischen Norm 14126 entspricht, weist nicht nur Feuchtigkeit ab, sondern ist zusätzlich viren- und blutdicht. 

Einweg- oder Mehrwegkittel

Grundsätzlich hat der Anwender die Wahl zwischen einem Einweg- und einem Mehrwegkittel. Weil eine Schutzausrüstung meist in Arbeitsbereichen getragen wird, in denen ein hohes Infektionsrisiko besteht und strenge Hygienevorschriften gelten, wird der Mehrwegkittel nach dem Tragen jeweils entsprechend aufbereitet. Dieser Aufbereitungsprozess verursacht jedoch verhältnismäßig hohe Kosten, und je nach Qualität der Aufbereitung variieren die Ergebnisse doch bisweilen erheblich.

Der Einwegkittel hingegen bietet ein beständig gleichbleibendes Maß an Qualität und Hygiene. Voraussetzung ist allerdings eine sachgemäße Lagerung und Entnahme.

Der optimale Kittel

Kriterien für die Auswahl der Schutzkleidung sind vor allem der Anwendungszweck und die Erwartungen an den Schutzumfang und den Tragekomfort. Das Gewicht spielt eine Rolle, ebenso die Trageeigenschaften, das Hautgefühl, Antistatik und auch die Verschlussart.

Chemische Bezeichnungen: Was ist PP, PE, SSS und SMS?

Für die Einwegbekleidung verwenden die Hersteller verschiedene Materialien. Grundlage ist meist die Chemiefaser Polypropylen, die auf unterschiedliche Art verarbeitet wird. So ergeben sich spezifische Eigenschaften und Verteile der Bekleidung. 

Polypropylen ist luftdurchlässig und wird auch als PP-Vliesstoff bezeichnet. Die Faser kann gesponnen werden, dann nennt man sie Spinnvlies oder engl. Spunbond. Eine andere Produktionsweise ist das Schmelzblasen oder Meltblown. 

Besondere Eigenschaften durch Kombinationen

Das Spinnvlies als gesponnenes Polypropylen ist beständig und reißfest und deshalb besonders langlebig. Das schmelzgeblasene Meltblown verfügt über außerordentliche Barriere-Eigenschaften. Also kann es sein Träger gefahrlos mit weiteren Mitteln behandeln, damit das Material auch gegen Öle, Blut oder Alkohol standhält. Trotzdem bleibt es luft- und wasserdampfdurchlässig. Seine Dehnbarkeit ist gering.

Ein SSS-Vliesstoff besteht aus drei Schichten Spinnvlies. Werden ein Spinnvlies, ein Meltblown und wiederum ein Spinnvlies miteinander kombiniert, entsteht ein SMS-Vliesstoff. Meltblown kann nämlich nicht alleine verwendet werden, vielmehr braucht es eine Unterstützung von zusätzlichen Schichten aus Spinnvlies. Dann entsteht jedoch ein sehr starkes Produkt mit einer guten Barriere gegen Partikel und Flüssigkeiten, das dennoch atmungsaktiv bleibt.

Die Vorteile von Polyethylen

Wer bei seinen Tätigkeiten auf einen wasserdichten Schutzanzug angewiesen ist, sollte auf einen Einwegkittel mit PE-Beschichtung zurückgreifen. Denn Polyethylen ist im Gegensatz zu Polypropylen wasserdicht und schützt deshalb die Bekleidung des Trägers gegen Feuchtigkeit. Die Einwegschürze ist eine sinnvolle Alternative, denn sie besteht in jedem Fall aus dem wasserdichten Polyethylen und bietet einen verlässlichen Schutz gegen Nässe und Feuchtigkeit. 

Die Schutzbekleidung bei medizinischen Tätigkeiten

Die Anforderungen an einen Schutz im medizinischen Bereich sind im Medizinproduktegesetz in der Richtlinie 93/42/EEC geregelt. Entsprechend dem jeweiligen Anwendungsbereich können weitere Zertifizierungen Anwendung finden. Soll ein Kittel bei medizinischen Operationen verwendbar sein, greift etwa zusätzlich die EN 13795.

Die Zertifizierung nach DIN EN 14126 formuliert die Anforderungen, mit denen ein Infektionsschutzkittel vor Viren schützen soll. Ist bei einer Operation mit Blutspritzern zu rechnen, muss die Schutzkleidung die Maßgaben der ISO 16603 erfüllen.

Die Materialstärke ist ein weiteres Kriterium für die Verwendbarkeit. Der dünne Besucherkittel hat eine Dichte von 17 bis 20 g/cm2 und eignet sich auch für leichte Tätigkeiten, bei denen der Mitarbeiter einem geringen Risiko ausgesetzt ist. Für gewöhnliche Untersuchungen reicht die Standardausführung des Schutzkittels mit 23 bis 25 g/cm2 , während eine risikoreiche Tätigkeit stärkeres Material von mehr als 30 g/cm2 erfordert. 

Verschiedene Verschlussarten

Meist verschließt man die Pflegekittel mit Bändern an Taille und Hals. Der Handel bietet jedoch jedoch auch Einwegkittel an, die mit Druckknöpfen ausgestattet sind.

Wird der Kittel auf der Rückseite des Körpers zugebunden, bekommt er durch die Taillierung einen außerordentlich guten Halt. Die vordere Seite des Oberkörpers ist durch den Vliesstoff vollkommen bedeckt. Derartige Kittel zum Binden tragen etwa Ärzte oder das medizinische Fachpersonal. 

Den Besucherkittel schließt sein Träger nicht auf dem Rücken, sondern durch Druckknöpfe vorne am Körper. So ähnelt der Kittel einem gewöhnlichen Mantel oder einer Jacke, die man vorne zuknöpft. Die Variante mit Druckknöpfen ist im Unterschied zum gebundenen Einwegkittel nicht tailliert. 

Der Abschluss der Ärmel

Auch den Ärmelabschluss gibt es in verschiedenen Ausführungen. Die einfache Ausführung besteht aus einem simplen, aber bewährten Gummiband. Etwas komfortabler sind Einwegkittel mit genähten Bündchen.

Weitere Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung

Grundsätzlich können bei medizinischen Tätigkeiten sowohl Einweg- als auch Mehrwegprodukte verwendet werden. Allerdings ist die Schutzkleidung nach der Nutzung in den entsprechenden Abwurf zu geben. Ein Mehrwegartikel gehört in die Wäsche, das Wegwerfprodukt in den Abfall. 

Soll der Kittel als Teil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei Isolierungen getragen werden, muss er ausreichend lang und strapazierfähig sein. Er ist am Rücken verschließbar, langärmelig und mit fest schließenden Bündchen ausgestattet. Bei Bedarf verwendet der Mitarbeiter zusätzlich einen flüssigkeitsdichten Kittel oder eine flüssigkeitsdichte Schürze. Die Farbe eines Kittels ist variabel und lässt keinen Rückschluss auf seine Verwendbarkeit zu.